Unterstützungs- und Hilfsangebote bei rheumatoider Arthritis

Rheuma – Hilfsmittel und Tipps für den Alltag

Zur Erleichterung alltäglicher Handgriffe sowie zum Schutz und zur Entlastung der Gelenke gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln und Tipps für Rheumakranke.

Gelenkschutz zuhause und unterwegs

Rheuma kann die Gelenke schädigen und im Verlauf der rheumatoiden Arthritis kann es zu Fehlbelastungen und Einschränkungen der Beweglichkeit kommen. Auch wenn noch keine Gelenkveränderungen erkennbar oder wenig Schmerzen spürbar sind, ist es deshalb für Rheuma-Patienten wichtig, die Gelenke zu schützen und vor übermäßiger Beanspruchung zu bewahren.

Für einen schonenden Umgang mit den Gelenken und zur Erleichterung alltäglicher Handgriffe gibt es viele Hilfsmittel im Alltag von Rheuma-Patienten.

  • Für Arbeiten in der Küche gibt es u. a. Hilfen, die das Öffnen von Flaschen und Gläsern vereinfachen, indem sie das Vakuum entfernen oder mit Hilfe von Antirutschfolien das Drehen von Verschlüssen leichter machen.
  • Mit aufschiebbaren Griffverdickungen an Messern und Stiften können Griffe bzw. Stifte besser gefasst werden. Speziell geformtes Besteck hilft Rheumakranken, die Griffe besser zu halten und den Kraftaufwand zu reduzieren.
  • Nicht speziell für Rheuma konzipiert, aber trotzdem sehr hilfreich im Alltag sind elektrische Küchengeräte, die die Gelenke entlasten, z. B. Elektromesser, Brotschneidemaschine, Küchenmaschine, Flaschen-/Dosenöffner, Salatschleuder zum Ziehen, Entsafter und Blitzhacker.
  • Für Drehknöpfe an Geräten wie Waschmaschinen, Trocknern, Mikrowellen und Ähnlichem gibt es spezielle kleine Griffe, die als Drehhilfen einfach aufgesetzt werden.
  • Stehhilfen entlasten den Rücken und die Knie.
  • Weitere Hilfsmittel zur Entlastung und/oder Lagerung der Gelenke: Kopf-, Becken- und Handkissen, Kugelschreiber mit Gummi, gepolsterte Handschuhe.
  • Beim An- und Ausziehen von Socken und Strümpfen helfen An- und Ausziehhilfen mit einem langen Stab, damit man sich nicht bücken muss.
  • Knöpfhilfen erleichtern das Zu- und Aufknöpfen von Kleidungsstücken und lange Schuhlöffel das Anziehen der Schuhe.
  • Um Gegenstände vom Boden aufzuheben, sind Greifgeräte/-zangen hilfreich.
  • Im Bad vermeidet eine elektrische Zahnbürste die Drehbewegung der Handgelenke und spart Kraft. Ein Föhn sollte nach Möglichkeit leicht und einfach zu bedienen sein.
  • Für die Toilette gibt es Sitzerhöhungen und für Badewanne und Dusche Haltegriffe und Duschhocker bzw. Badewannenlifter.
  • Die Füße müssen das gesamte Körpergewicht tragen. Deshalb sollten Menschen mit Rheuma möglichst flache Schuhe tragen, die das Körpergewicht gleichmäßig auf dem gesamten Fuß verteilen.
  • Einkaufswagen mit Rollen sind besser als Taschen und Rollkoffer sind besser für die Gelenke als Gepäckstücke, die getragen werden müssen.
  • Wenn man keine Probleme mit den Schultern hat, dann sollte man einen Rucksack mit breiten gepolsterten Tragegurten einer einseitig belastenden Tasche vorziehen.
  • Regelmäßige Physiotherapie wird von vielen Menschen mit Rheuma als hilfreich erlebt, z. B. Bewegungstherapie und Faszien-Behandlung.
  • Hilfreich sind auch einfache physiotherapeutische Übungen, die leicht in den Alltag integriert werden können.
  • Daneben gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie Kissen zur Lagerung und Entlastung der Gelenke, Gymnastikball/ Massageball, Sitzkissen, Einlegesohlen/sensomotorische Einlagen.

Haushaltsarbeiten in kleinen Schritten verhindert Überanstrengung

Menschen mit Rheuma wird empfohlen, Alltagstätigkeiten wie Putzen, Bügeln, Kochen und Bettenbeziehen möglichst so zu erledigen, dass sie sich nicht überanstrengen. Fast jede Tätigkeit lässt sich in kleinen Schritten erledigen. Zwischendurch sollten immer mal wieder kleine Pausen eingelegt werden. Die Räume sollten z. B. besser einzeln und nicht alle hintereinander geputzt werden.

Hilfsmittel für Küche und Bad, Einkaufen, Arbeit und Freizeit erleichtern bei Rheuma den Alltag

Hilfsmittel für Rheumakranke

Weitere Informationen zu Hilfsmitteln

Auch bei der Körperpflege, am Schreibtisch und in der Freizeit kann man sich mit passenden Hilfsmitteln und Tricks vieles erleichtern. Die Deutsche Rheuma-Liga e.V. hat in einer Broschüre und auf ihrer Webseite Informationen zum Gelenkschutz und zu Hilfsmitteln im Alltag, bei der Arbeit und im Sport ausführlich zusammengefasst – u. a. mit Erklärvideos und praktischen Tipps.

Wo bekomme ich Hilfsmittel?

Spezielle Hilfsmittel für Rheumakranke gibt es in Sanitätshäusern, teilweise auch im Kaufhaus oder im Internethandel. Für einige Hilfsmittel übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Manche Hilfsmittel – wie orthopädische Schuhe, Orthesen, Bandagen und Schienen, welche die Gelenke u. a. stabilisieren und entlasten – werden auch individuell angefertigt und angepasst.

Gelenkschutz lernen mit Ergotherapie

Die Ergotherapie ist ein wichtiges Angebot der Hilfe zur Selbsthilfe für rheumakranke Menschen. Wie entlaste und belaste ich meine Gelenke am besten? Worauf muss ich im Alltag achten? Welche Hilfsmittel sind für mich geeignet? Bei solchen Fragen können Ergotherapeuten helfen.

Genauso wichtig ist das Training der oftmals geschwächten Muskulatur durch regelmäßige Bewegung oder Physiotherapie. Denn je stärker die Muskeln sind, desto gefestigter und geschützter sind die Gelenke.

Literatur:

  1. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh). S3-Leitlinie: Interdisziplinäre Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis, Stand: 2019
  2. Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Gelenkschutz im Alltag – gewusst wie! Vollständig überarbeitete Auflage, 2018
  3. Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Merkblatt Rheumatoide Arthritis, 9. Auflage 2017
  4. Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Rheumatoide Arthritis – Therapie und Lebensperspektiven, 9. Auflage 2018
  5. Finketscher T et al., Hilfsmittel in der Rheumatologie. Z Rheumatol 2017;76:245–258
  6. So schonen Sie Ihre Gelenke bei Rheuma. www.senioren-ratgeber.de, abgerufen am 28.05.2020